Europäische Wehrhaftigkeit unter Druck
Die Sicherheitsexpertin Jana Puglierin äußert sich zur gegenwärtigen geopolitischen Lage Europas und warnt vor den Bedrohungen durch China, Russland und die USA. In einem aktuellen Interview betont sie, dass Europa in der internationalen Arena zunehmend wehrlos wirkt, was auf interne Machtkämpfe und Uneinigkeit innerhalb des Kontinents zurückzuführen sei.
Puglierin hebt hervor, dass die Fragmentierung der europäischen Staaten und deren unterschiedliche Sicherheitsinteressen die Handlungsfähigkeit der EU beeinträchtigen. Diese Uneinigkeit ermögliche es externen Akteuren, Europa zu destabilisieren und dessen Einfluss zu schmälern. "China, Russland und die USA würden Europa am liebsten filetieren", so Puglierin.
Ein zentrales Problem sei die mangelnde militärische Zusammenarbeit zwischen den EU-Staaten. Puglierin verweist auf die Notwendigkeit, eine gemeinsame Verteidigungsstrategie zu entwickeln, um den Herausforderungen besser begegnen zu können. Derzeit existieren zahlreiche bilaterale Abkommen, jedoch fehlt es an einer kohärenten europäischen Verteidigungspolitik.
Die Expertin zieht Parallelen zu Kanada, das durch eine klare und einheitliche Sicherheitsstrategie in der Lage sei, seine Interessen gegenüber den USA und anderen Akteuren zu wahren. Kanada habe es geschafft, eine Balance zwischen nationalen und internationalen Interessen zu finden, was Europa als Vorbild dienen könnte.
Ein weiterer Aspekt, den Puglierin anspricht, ist die Notwendigkeit, die militärische Kapazität der EU zu erhöhen. Sie fordert eine verstärkte Investition in Verteidigungstechnologien und eine bessere Koordination der militärischen Ressourcen. "Ohne eine signifikante Erhöhung der Verteidigungsausgaben wird Europa weiterhin in der geopolitischen Bedeutung abnehmen", warnt sie.
Die Sicherheitslage in Europa wird auch durch die wachsenden Spannungen im asiatisch-pazifischen Raum beeinflusst. Puglierin betont, dass die EU eine proaktive Rolle einnehmen sollte, um ihre Interessen in dieser Region zu schützen. "Europa kann sich nicht länger auf die USA verlassen, um seine Sicherheit zu gewährleisten", erklärt sie.
Die Expertin fordert eine Neuausrichtung der europäischen Außenpolitik, die sich stärker auf die eigenen Interessen konzentriert. Dies erfordere eine klare Kommunikation und eine einheitliche Strategie, um den Herausforderungen durch autoritäre Regime und geopolitische Rivalen zu begegnen.
Die Diskussion um die europäische Wehrhaftigkeit wird durch die anhaltenden Konflikte in der Ukraine und die aggressive Außenpolitik Russlands weiter angeheizt. Puglierin sieht hier eine Chance für Europa, sich als stabiler Akteur in der internationalen Politik zu positionieren, wenn es gelingt, die internen Differenzen zu überwinden.
Die Sicherheitsexpertin schließt mit der Feststellung, dass die Zeit drängt. "Wenn Europa nicht bald handelt, könnte es in eine Situation geraten, in der es keine Möglichkeit mehr gibt, die eigenen Interessen zu verteidigen", warnt sie. Die EU-Staaten müssen bis Ende 2026 eine gemeinsame Verteidigungsstrategie entwickeln, um den Herausforderungen gewachsen zu sein.
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